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Pädagogisches Konzept

der Zooschule Landau

als Bildungsort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Letzte Änderungen: 28.01.2026


Inhaltsverzeichnis

1. Pädagogisch relevante Spezifika der Einrichtung

Die Zooschule Landau ist ein inklusiver, außerschulischer Lernort mit einer direkten Anbindung an die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU). Die pädagogische Leitung ist im Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter der Universität verankert. Lehramtsstudierende der Universität arbeiten aktiv in der Einrichtung mit und nutzen die Zooschule als Praxisfeld für ihren zukünftigen Beruf. Das Gebäude befindet sich auf dem Gelände des Zoologischen Gartens Landau. Das Zoogelände mit seinen rund 900 Tieren in über 100 exotischen Arten bildet das besondere Umfeld für die Bildungsarbeit. Der Zoo wird primär von Eltern und Großeltern mit Kindern sowie von Schulklassen und Kindergruppen besucht; diese Personengruppen haben auch ein besonderes Interesse an den Bildungsprogrammen der Zooschule. Als ein außerschulischer Lernort wird die Zooschule von wechselnden Personen und Gruppen besucht, die Buchung einzelner Veranstaltungen mit einer Zeitdauer bis zu drei Stunden überwiegt. Der relativ enge zeitliche Rahmen und das Arbeiten mit im Hinblick auf Interessen, Vorkenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sehr heterogenen Gruppen prägen die Gestaltung der Bildungsveranstaltungen.

2. Leitziel

Das Ziel unserer Bildungsarbeit besteht zum einen darin, Wissen über die Bedeutung, die Bedrohung und den Schutz der biologischen Vielfalt mit ökologischen, ökonomischen, sozialen und globalen Bezügen zu vermitteln und damit zu umweltgerechtem und dauerhaft zukunftsfähigem Handeln für eine nachhaltige Entwicklung anzuregen. Zum anderen werden Werte gelebt und Kompetenzen gefördert, die für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Erde notwendig sind.

3. Grundlagen

„Leben gestalten lernen“

Die Zooschule orientiert sich am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung und versteht sich als Einrichtung für Bildung für nachhaltige Entwicklung (s. dazu Leitbild der Zooschule Landau). Sie folgt den Ausführungen der Agenda 21:

„Bildung ist eine unerlässliche Voraussetzung für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und die Verbesserung der Fähigkeit der Menschen, sich mit Umwelt- und Entwicklungsfragen auseinanderzusetzen.“ (BMU, 1997, S. 261)

Das Fundament der Bildungsarbeit der Zooschule Landau bildet das folgende Verständnis von „Nachhaltiger Entwicklung“ und „Bildung für nachhaltige Entwicklung“:

„Nachhaltige Entwicklung“ …

  • … ist ein gesamtgesellschaftlicher Transformations- und Gestaltungsprozess, der es

ermöglicht, die Lebensgrundlagen und die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation zu sichern und gleichzeitig die Wahlmöglichkeiten zukünftiger Generationen zur Gestaltung ihres Lebens zu erhalten.

  • … ist heute der allgemein anerkannte Weg zur Verbesserung der individuellen

Zukunftschancen, zu gesellschaftlicher Prosperität, wirtschaftlichem Wachstum und ökologischer Verträglichkeit.

Bildung für nachhaltige Entwicklung …

  • … hat zum Ziel, die Menschen zur aktiven Gestaltung einer ökologisch verträglichen,

wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Lebenswelt zu befähigen. „Global denken – lokal handeln“ wird dabei als wichtige Devise angesehen.

  • … fördert Gestaltungskompetenz im Sinne von vorausschauendem, planendem und

vernetztem Denken, Fähigkeit zur Solidarität, Verständigungs- und Kooperationskompetenz sowie die Reflexion über individuelle und gesellschaftliche Leitbilder. Umfassende Wissensvermittlung ergänzt diesen Ansatz.

  • … geht von einer Bereitschaft zu lebenslangem Lernen aus und richtet sich an

Menschen aller Altersgruppen.

  • … kann sich nur innerhalb demokratischer Strukturen und eines politischen Rahmens,

der echte Partizipationsmöglichkeiten zulässt, einer angstfreien Atmosphäre und einem Klima sozialer Gerechtigkeit wirkungsvoll entfalten.

Nachhaltigkeit ist der rote Faden unserer Aktivitäten, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) unsere konzeptionelle Grundlage. Wir stellen unsere Bildungsangebote in den Kontext der Agenda 2030 und der Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) und sehen sie als Teil einer weltweiten Anstrengung, nachhaltige Entwicklung voranzubringen und soziale Gerechtigkeit zu fördern. Insbesondere das Ziel Nr. 4, eine nachhaltige, qualitativ anspruchsvolle und lebenslange Bildung zu gewährleiten, fordert uns heraus, unsere Bildungsaktivtäten jeweils auch auf globale Entwicklungen zu beziehen, und dies den Teilnehmenden bei unseren Angeboten transparent zu machen. Die Umsetzung der SDGs ist nicht allein mit politischen, finanziellen oder technologischen Mitteln zu erreichen. Menschen auf der ganzen Welt müssen sensibilisiert, begeistert, beteiligt und motiviert werden, sich aktiv in die Transformation hin zu einer nachhaltigen Weltgemeinschaft einzubringen. In unseren vielseitigen, handlungsorientierten Bildungsangeboten wollen wir die Teilnehmenden zielgruppenspezifisch ermutigen, sich an nachhaltiger Entwicklung gemäß des Ansatzes „global denken – lokal handeln“ zu beteiligen.

Gerechtigkeit – Vielfalt – Verantwortung – Respekt – Partizipation

Für die pädagogische Arbeit in unserer Bildungseinrichtung sind die Werte „Gerechtigkeit“, „Vielfalt“, „Demokratie“, „Verantwortung“, „Respekt“ und „Partizipation“ von besonderer Bedeutung und deshalb leitend. Sie spiegeln sich wider …

  • in unserem didaktischen Grundkonzept,
  • in unseren Bildungsangeboten,
  • in unserem täglichen Umgang miteinander,
  • im Umgang mit den Teilnehmenden unserer Veranstaltungen,
  • im Umgang mit unseren Kooperationspartnern/ -partnerinnen sowie
  • im Umgang mit allen Lebewesen und Ressourcen.

Das Pädagogische Konzept sowie darauf aufbauend auch das Bildungsprogramm werden in gemeinsamer Verantwortung von Leitung und Team erstellt, evaluiert und weiterentwickelt.

4. Didaktisches Grundkonzept

Biodiversitätsbildung als inhaltlicher und intentionaler Schwerpunkt

Der Verlust der Biologischen Vielfalt gehört zu den Schlüsselproblemen unserer Zeit. Die Weltbevölkerung steht vor der zentralen Aufgabe, die Biodiversität für weitere Generationen zu sichern. „Schutz der Biologischen Vielfalt“ ist damit ein zentrales Thema der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Aufgrund ihrer besonderen Möglichkeiten im Umfeld des Zoologischen Gartens Landau (s.o.) sieht die Zooschule hier ihren didaktischen Schwerpunkt. (Mit der sehr breit angelegten Artenvielfalt und seinem Engagement im Bereich Artenschutz stellt der Zoo Landau ein ideales Umfeld dar.) Im Rahmen der Biodiversitätsbildung wollen wir …

  • Menschen für die Vielfalt der Arten und der Ökosysteme sensibilisieren,
  • die Bedeutung der Vielfalt aufzeigen sowie
  • Handlungsmöglichkeiten zu ihrem Schutz vorstellen und anregen, diese

umzusetzen. In diesem Zusammenhang wollen wir grundlegendes Wissen vermitteln, Kompetenzen fördern und mit Verhaltensweisen, Lebensstilen und Werthaltungen vertraut machen, die im Hinblick auf die Sicherung unserer Lebensgrundlagen und damit für eine lebenswerte Zukunft erforderlich sind. Dabei wollen wir dabei auch Globales Lernen unterstützen, also globale und lokale Zusammenhänge und deren Wechselwirkungen verdeutlichen und gleichzeitig Fragen globaler sozialer Gerechtigkeit einbeziehen. Vor diesem Hintergrund haben wir zehn Intentionsbereiche erarbeitet, die grundlegend für unsere Bildungsarbeit sind. Sie werden im Folgenden unter Berücksichtigung von vier Anspruchsniveaus zusammen mit methodischen Aspekten vorgestellt. Die Differenzierungen dienen als Richtschnur für die Planung und Durchführung aller Bildungsveranstaltungen. (Anspruchsniveau 1 entspricht in etwa dem intellektuellen Niveau von Vorschulkindern, Anspruchsniveau 2 dem intellektuellen Niveau von Schülerinnen und Schülern der Klassen 1- 6, Anspruchsniveau 3 dem intellektuellen Niveau von Schülerinnen und Schülern der Klassen 7-10, Anspruchsniveau 4 dem intellektuellen Niveau von Schülerinnen und Schülern der Klassen 11-13.)

1 Interesse und Freude entwickeln an der Natur, an Lebewesen,

Naturphänomenen und nachhaltigkeitsbezogenen Themen

1.1 – sich mit Freude, Neugier und Interesse Lebewesen und Naturphänomenen zuwenden.

1.2 – sich Fragen und Problemen aus dem Bereich der Natur mit Neugier und Interesse

1.3 zuwenden.

1.3 – selbst biologisch-ökologische Fragestellungen (z.B. „Ist es sinnvoll, die Einwanderung von

1.4 Wölfen nach Deutschland zu dulden?“) oder Fragenstellungen zur Nachhaltigkeit (z.B.

„Wie kann ich meinen persönlichen ökologischen Fußabdruck verkleinern?“ „Wie ist eine kontinuierliche Emissionsreduktion zu erreichen?“) entwickeln und sich auch selbst mit der Klärung befassen.

Erläuterung: Interesse und Freude sind motivationale und kognitive Personenmerkmale, die das Handeln prägen und entscheidend sind für die Entwicklung der Bereitschaft, sich konzentriert mit Inhalten und Themen auseinanderzusetzen. Umgekehrt entwickeln sich Interesse und Freude beim Befassen mit Sachverhalten oder Lebewesen. Interesse, Freude und Wissen zusammen genommen sind wiederum eine Grundlage für die Entwicklung von Wertschätzung und Handlungsbereitschaft. Hier gilt: „Nur was ich kenne und liebe, das bin ich auch bereit zu schützen.“ Das anregungsreiche Umfeld des Zoos mit seinen naturnah gestalteten Gehegen ist besonders geeignet, um Interesse und Freude an der Natur, an Lebewesen, Naturphänomenen und nachhaltigkeitsbezogenen Themen zu entwickeln.

2 Zielgerichtet und genau betrachten, beobachten, beschreiben

2.1 – den Körperbau von Tieren genau betrachten und beschreiben.

  • einfache Interaktionen bei Tieren beobachten, beschreiben und deuten.

2.2 – Lebensräume (auch Tiergehege) und Ökosysteme betrachten und beschreiben.

  • naturbezogene Entwicklungen und Veränderungen beobachten und beschreiben.

2.3 – auch komplexere biologische Vorgänge, Abläufe und naturbezogene Sachverhalte

beobachten und beschreiben sowie weitgehend fachlich korrekt erklären.

2.4 – die Gestaltung von Naturschutzgebieten, Zoos, Tiergehegen u.a. beschreiben und auf der

Grundlage von Kriterien bewerten/ beurteilen.

Wahrnehmungsschulung: Betrachten und beobachten lernen

Erläuterung: Genaues Betrachten und systematisches Beobachten sind wesentliche Voraussetzungen für Analysen und Bewertungen und können im Sinne einer Propädeutik schon vom frühen Kindesalter an geübt werden. Dies ist dringend erforderlich, denn nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen fällt es oft schwer, Lebewesen genau zu betrachten oder zu beobachten. Vorherrschend ist ein flüchtiges, tendenziell ganzheitliches und gleichzeitig oberflächliches Betrachten mit sog. „Weitwinkelperspektive“. Einzelheiten werden dabei kaum erfasst. Besondere Schwierigkeiten bereitet systematisches Beobachten, weil es neben Konzentration auch Geduld erfordert. Da sich diese Fähigkeiten nicht von selbst herausbilden, müssen sie geübt werden. Das Umfeld des Zoos mit der Möglichkeit, lebende Tiere zu betrachten und zu beobachten, bietet dazu einzigartige Gelegenheiten. Als wichtig erweist sich auch die Fähigkeit, das Beobachtete und Betrachtete verbalisieren zu können; auch sie muss geübt werden.

Sprachförderung

Erläuterung: Sprache bzw. jegliche Form der Äußerung reflektiert den Grad des Verständnisses für den jeweiligen Sachverhalt. Für den gemeinsamen Austausch über Erlebtes, Beobachtetes, über Sachverhalte und Probleme ist eine sach- und fachlich korrekte Sprache unabdingbar. Sprachförderung ist deshalb durchgehend bei allen Veranstaltungen in der Zooschule ein zentrales didaktisches Prinzip.

3 Respektvoll und achtsam mit der Natur und mit Lebewesen (Menschen, Tieren,

Pflanzen) umgehen

3.1 – unterschiedliche Bedürfnisse von Menschen, Pflanzen und Tieren kennen und beachten.

  • die Bereitschaft entwickeln, Tieren und Menschen in Not zu helfen.

3.2 – die Bereitschaft und die Fähigkeit entwickeln, sich in andere Menschen hinein zu fühlen

und ihr Handeln nachzuvollziehen.

  • sich mit benachteiligten Menschen solidarisch zeigen.
  • sich für eine gerechte Verteilung von Ressourcen, Lebensmitteln, Konsumgütern

einsetzen.

3.3 – Leitbilder der heutigen Jugend kennen und verstehen, wie diese (eigene und die von

3.4 anderen Personen) sich auf das Handeln auswirken.

Erläuterung: Für den dauerhaften Erhalt der Natur ist es erforderlich, dass Menschen respektvoll und achtsam mit ihr und damit auch mit allen Lebewesen umgehen. Dies kann nur gelingen, wenn verstanden wird, dass alle Lebewesen ihren natürlichen Platz und eine Funktion im „Netz des Lebens“ haben. Vor dem Hintergrund der Ethik Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben“ wollen wir zudem in unseren Veranstaltungen dazu anhalten, alle Tiere als Mitgeschöpfe anzusehen: „Ich bin Leben, das leben will – inmitten von Leben, das leben will“ (A. Schweitzer) – Tiere haben gleiche oder ähnliche Bedürfnisse wie Menschen und sind ebenso leidensfähig. Für ein friedliches Zusammenleben und damit auch zur Sicherung der weltweiten Lebensgrundlagen ist es notwendig, dass sich Menschen für eine gerechte Verteilung der natürlichen Ressourcen einsetzen. Entscheidend ist hier die Erkenntnis, dass alle Menschen grundlegende Bedürfnisse und Rechte haben. Um friedlich zusammenzuleben und gemeinsam an Problemlösungen zu arbeiten, ist zudem die Fähigkeit und die Bereitschaft zur Empathie notwendig, d.h. sich in die verschiedenen Lebenssituationen anderer Menschen einzufühlen und das Verhalten und Handeln anderer nachzuvollziehen.

4 Biologisch-ökologische Grundprinzipien und Wechselwirkungen (Stoffkreisläufe,

Anpassungen, Vernetzungen) sowie grundlegende biologische Sachverhalte/ Zusammenhänge kennen und verstehen

4.1 – zwischen belebter und unbelebter Natur sowie zwischen Spielzeugfiguren und

Lebewesen unterscheiden.

4.2 – erkennen, dass Tiere hinsichtlich ihres Körperbaus, ihrer Körperfunktionen und

Sinnesleistungen auf ihren Lebensraum hin abgestimmt sind.

  • Nahrungsketten entwickeln und den Begriff „das Netz des Lebens“ erläutern.

4.3 – komplexere ökologische Zusammenhänge und Stoffkreisläufe darstellen.

4.4 – erkennen, dass der Mensch Teil der Natur ist und sein Überleben eng mit der Existenz

anderer Lebewesen und der unbelebten Natur verbunden ist.

  • den Begriff „Ökologisches Gleichgewicht“ erklären.

Erläuterung: Solides Wissen ist Voraussetzung, um sich mit Zukunftsfragen und gesellschaftlichen Schlüsselproblemen kritisch auseinanderzusetzen. Das Umfeld des Zoos ist besonders geeignet, ein biologisch-ökologisches Grundwissen zu vermitteln. Wir berücksichtigen, dass selbst erarbeitetes Wissen besser und länger behalten wird als präsentiertes „Vortragswissen“ und bietet deshalb vielfältige Möglichkeiten zum entdeckenden und forschenden Lernen an.

5 Auswirkungen menschlichen Verhaltens/ Handelns auf die Natur wahrnehmen

und bewerten

5.1 – erkennen, dass menschliches Verhalten (z.B. Verschmutzung oder Zerstörung) der Natur

schaden kann.

5.2 – Gründe für den Verlust der Biologischen Vielfalt nennen.

  • Möglichkeiten des Schutzes der Biologischen Vielfalt nennen.

5.3 – erkennen, dass sich das Handeln vor Ort auf weit entfernte Regionen auswirken kann.

  • Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur kennen und fallbezogen bewerten.
  • Handlungen/ Maßnahmen aus der Perspektive verschiedener Personen betrachten und

die Beweggründe dafür nachvollziehen.

  • Konsequenzen technischer Entwicklungen (z.B. Rohstoffgewinnung für die Herstellung

von Handys in Gebieten mit einer hohen Biodiversität) erkennen und bewerten.

5.4 – Maßnahmen zum Schutz der Biologischen Vielfalt nach Kriterien bewerten.

Erläuterung: Positive und negative Auswirkungen des menschlichen Verhaltens/ Handelns auf die Natur sind nicht immer direkt sichtbar; oft müssen Schädigungsprozesse weit vorangeschritten sein, bis sie mit dem bloßen Auge wahrnehmbar und in ihrer negativen Auswirkung erkennbar sind. Zudem erfordert es in vielen Fällen grundlegendes und spezielles Wissen, um Auswirkungen überhaupt wahrnehmen und bewerten zu können. Somit ist es wichtig, anschaulich und deutlich zu zeigen, welche Auswirkungen auf die Natur bestimmtes menschliches Verhalten zur Folge hat und welche langfristigen Konsequenzen damit verbunden sind. Nur so lässt sich die Bereitschaft wecken, Verhaltensweisen zu überdenken und ggf. zu ändern.

6 Möglichkeiten, die Natur bzw. die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen,

kennen, bewerten, umsetzen

6.1 – einfache Möglichkeiten, die Natur und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen,

kennen und sich darin einüben (z.B. sparsam mit Wasser und Energie umgehen).

6.2 – über den Schutz von Lebensräumen (Wiese, Wald, Bach, Meer …) nachdenken und die

Erfordernisse von Natur- und Artenschutz kennen.

  • die Bereitschaft entwickeln, selbst Verantwortung für den Schutz der Natur zu

übernehmen.

  • Maßnahmen zum Natur- und Artenschutz, die im eigenen Lebensumfeld (z.B. beim

Einkauf, bei der Ernährung, bei der Gartengestaltung) möglich sind, kennen und bewusst beachten.

  • eine leicht überschaubare Entwicklungsaufgabe (z.B. Naturschutzmaßnahme) als eher

nachhaltig oder eher nicht nachhaltig bewerten.

6.3 – erkennen, dass für die dauerhafte Erhaltung der Natur und der Arten ökologische,

ökonomische und soziale Aspekte zusammen beachtet werden müssen.

  • die Rolle der Zoologische Gärten im Natur- und Artenschutz kennen.
  • über den Einfluss gegenwärtiger Entscheidungen und Handlungen auf zukünftige

Lebensumstände (Klimakrise, Naturzerstörung) nachdenken und mögliche Folgen abwägen.

  • Konsumangebote der Umwelt im Hinblick auf Nachhaltigkeit gezielt nutzen.
  • Kosten und Nutzen bei der Befriedigung von Wünschen und Bedürfnissen abwägen und

dabei neben persönlichen, ästhetischen, sozialen auch ökologische und ökonomische Bedingungen mit einbeziehen.

6.4 – verschiedene Arten- und Naturschutzmaßnahmen (z.B. die Nachzucht bedrohter Arten

durch Zoologische Gärten) kennen und bewerten.

  • verschiedene Ansätze des Problemlösens auf komplexe Probleme der Nachhaltigkeit (z.B.

den Klimawandel) entwickeln und gangbare, inklusive und ausgewogene Optionen für Lösungen anwenden.

  • die Bereitschaft entwickeln, eigene Handlungen kontinuierlich zu bewerten und die

Motivation hochzuhalten, sich umweltgerecht im Sinne der Nachhaltigkeit zu verhalten.

Erläuterung: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten im täglichen Leben, zum Schutz der Natur und der natürlichen Lebensgrundlagen einen Beitrag zu leisten. Dabei spielen beispielsweise die Auswahl der Lebensmittel und anderer Konsumgüter, die Gestaltung des eigenen Lebens-und Wohnumfeldes sowie das Freizeit-, Sport- und Urlaubsverhalten eine Rolle. Wir möchten diese Möglichkeiten aufzeigen und deutlich machen, dass sich jedermann positiv einbringen kann. Zudem soll deutlich werden, dass unser (Ernährungs-, Freizeit-, Sport- …) Verhalten auch langfristig Folgen im positiven wie auch im negativen Sinne aufweist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen erfahren, dass sie selbst mitgestalten und sich einbringen können – immer auch verbunden mit der Übernahme von Verantwortung – nicht nur in der Familie, in der Schule und im Beruf, sondern auch in gesellschaftlichen Zusammenhängen.

7 Biologische Vielfalt wahrnehmen und um ihre Bedeutung wissen

7.1 – Tiervielfalt und die Unterschiedlichkeit der Lebensräume bewusst wahrnehmen.

  • Tiere ausgewählten Lebensräumen (z.B. Wald, Meer, Bach, Wiese) zuordnen.

7.2 – Artenvielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme bewusst wahrnehmen.

7.3 – in einfacher Form die Bedeutung der Vielfalt der Arten und Ökosysteme erklären.

7.4 – den Begriff „Biodiversität“ erklären.

  • begründen, warum Biodiversität unsere Lebensgrundlage darstellt.

Erläuterung: Die Voraussetzung für die Bereitschaft zum Schutz der Biologischen Vielfalt ist die Wahrnehmung von Vielfalt und das Wissen um ihre Bedeutung. Das moderne Leben ist von Naturferne geprägt. Der Zoologische Garten ist aus unserer Sicht ein geeigneter Ort, um Interesse für die Vielfalt und Verschiedenheit von Lebensformen, Lebensräumen und Lebensumständen zu wecken. Die Bedeutung der natürlichen Vielfalt erschließt sich dem Betrachter

jedoch nicht von selbst. Hier ist die gezielte und anschauliche Vermittlung von Wissen über ökologische Zusammenhänge erforderlich.

8 Bewusst und nachhaltig mit Materialien, Rohstoffen, Ressourcen und Abfällen

umgehen

8.1 – Ideen entwickeln, wie Abfallmaterialien (z.B. Glasgefäße, Tetrapacks, Pappschachteln) für

das Basteln genutzt werden können, und diese umsetzen.

  • verschiedene Materialien mit ihren Eigenschaften kennenlernen.

8.2 – alternative Umgangsweisen mit Konsumgütern und Abfällen (z.B. Möglichkeiten des

Recycelns/ Upcycelns, Mehrfachverwendung) kennen und nutzen.

  • bedeutsame Siegel (Blauer Engel, MSC-Siegel, FSC-Siegel, Fairtrade-Siegel) auf

Produkten/ Waren erkennen und ihre Bedeutung angeben.

8.3 – unterschiedliche Maßnahmen (Einweg-/ Mehrwegverpackungen) zum Umgang mit

Materialien, Verpackungen u.a. miteinander vergleichen und im Hinblick auf ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit bewerten.

  • Verschiedene Siegel aus Produktbereichen (zum Beispiel Holz/ Papier) kennen,

miteinander vergleichen und hinsichtlich ihres Beitrages zur Nachhaltigkeit bewerten.

8.4 – über den Sinn und Zweck von Umweltsiegeln auf Produkte nachdenken, eine eigene

Position dazu beziehen und ggf. – nach intensiven Recherchen – eine Liste mit empfehlenswerten Siegeln aus unterschiedlichen Produktbereichen zusammenstellen.

Erläuterung: Der nachhaltige Umgang mit Materialien, Rohstoffen und Abfällen ist eine bedeutsame Grundlage für die Sicherung unserer Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen. Hierbei geht es auch um die Erhaltung von Lebensräumen mit einer hohen Biodiversität (z.B. Regenwälder und boreale Wälder, Ozeane und Meere). Jeder Mensch geht täglich mit Materialien und Rohstoffen um und produziert Abfälle. Durch ein reflektiertes Konsumverhalten, zum Beispiel durch die Auswahl und den Verzicht bestimmter Materialien, durch den sparsamen Gebrauch von Rohstoffen, durch den sorgfältigen Umgang mit Materialien und Abfällen, kann jedermann im Rahmen seiner persönlichen Lebensführung jederzeit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Die Zooschule sieht es als wichtige Aufgabe an, dafür zu sensibilisieren und Zusammenhänge zwischen Konsumverhalten und Schutz von Lebensräumen und Artenvielfalt aufzuzeigen.

9 Prinzipien und Leitgedanken der Nachhaltigkeit verstehen, darüber reflektieren

und anwenden

9.1 – sorgsam und sparsam mit natürlichen Ressourcen umgehen.

9.2 – „Nur so viele Bäume fällen, wie auch wieder nachwachsen können“: Die Begrenztheit von

natürlichen Ressourcen erkennen und verstehen, dass nur so viel verbraucht werden darf, wie sich auch wieder regeneriert.

  • Das Prinzip der „Glokalität“ („global denken – lokal handeln“ – Die Verknüpfung von

Globalität und Lokalität) verstehen und erläutern.

  • „So leben, dass alle Menschen jetzt und auch zukünftige Generationen auf unserer Erde

gut und gerne leben können“: Das Prinzip der intergenerationellen und intragenerationellen Gerechtigkeit kennen und erläutern.

9.3 – das Prinzip der Ganzheitlichkeit (keine der drei Dimensionen „Ökologie“, „Ökonomie“

und „Soziales“ hat Vorrang, sondern es gilt alle drei in Entscheidungen einzubeziehen) kennen und erläutern.

  • das Prinzip Partizipation und Verantwortung: Die Verantwortlichkeit eines jeden Landes,

eines jeden Menschen im Hinblick auf die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen erkennen.

9.4 – das Prinzip der präventiven Langfristorientierung („Prävention statt Reaktion/

Krisenbehebung“ – Beachtung langfristiger Entwicklungen statt kurzer, temporärer) kennen und an Beispielen erläutern.

  • „Nachhaltigkeit“ als ein ethisch-moralisches sowie handlungsleitendes Prinzip und als

eine regulative Idee erkennen.

Erläuterung: Prinzipien und Leitgedanken hierzu können wichtige Aspekte einer solchen Entwicklung anschaulich und fassbar machen. Sie sollen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Orientierung geben und ihnen einen Referenzrahmen für nachhaltiges Handeln bieten. In einer einfachen Sprache vermittelt (z.B. „Nur so viel Bäume fällen, wie auch wieder nachwachsen“) werden sie auch von jüngeren Menschen verstanden und prägen sich als Handlungsmaxime leicht ein. Komplexere Prinzipien der Nachhaltigkeit (z.B. „Keine der drei Dimensionen „Ökologie“, „Ökonomie“ und „Soziales“ hat Vorrang, sondern es gilt alle drei in Entscheidungen einzubeziehen.“) können beispielsweise von Schülerinnen und Schülern höherer Klassen auch als Prüfstein zur Nachhaltigkeitsbewertung von Handlungen, Strategien oder Maßnahmen genutzt werden.

10 Über Nachhaltigkeit und über Werte nachdenken und sich darüber austauschen

10.1 – über den Inhalt von (Bilderbuch-)Geschichten mit nachhaltigkeitsbezogenen Themen

10.2 (z.B. „Mats und die Wundersteine“; „Die vier Könige“) nachdenken und darüber

sprechen.

10.2 – über philosophische Fragen zur Nachhaltigkeit (z.B. „Wem gehört die Natur?“, „Sind alle

10.3 Tiere gleich viel wert?“, „Wie viel ist genug?“) nachdenken und sich darüber in der

Gruppe austauschen.

10.4 – Normen, Praktiken und Meinungen hinterfragen, über eigene Werte, Wahrnehmungen

und Handlungen nachdenken und im Diskurs über Nachhaltigkeit eine Position einnehmen.

  • über die eigene Rolle im Hinblick auf die Sicherung unserer Lebensgrundlagen in der

örtlichen Gemeinschaft und in der (Welt-)Gesellschaft nachdenken und sich entsprechend positionieren.

Erläuterung: Der Weg zu verantwortungsbewusstem Handeln führt vor allem über eigenständiges Denken. Die Zooschule hält es deshalb für notwendig, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu ermutigen und zu unterstützen, gemeinsam über Normen und Werte sowie über Themen der Nachhaltigkeit und Grundfragen des Lebens nachzudenken. Werte und Wertebildung gehören zum Kern einer jeden Bildung. Woran wir uns orientieren, was wir wertschätzen und was wir achten, gehört zum Kern unseres Mensch-Seins, unserer Identität. In der Gruppe gemeinsam nachzudenken und sich darüber auszutauschen, stärkt das Urteilsvermögen und fördert eine Haltung der gegenseitigen Wertschätzung, der Offenheit und des

Vertrauens – Grundvoraussetzungen für ein verantwortungsvolles und demokratisches Miteinander. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen dabei erkennen, was wesentlich ist, und eine nachhaltige Wertorientierung für den Alltag finden. Mit Blick auf unser didaktisches Konzept schließen wir uns dem Weltverband der Zoos und Aquarien (WAZA) an: „Die Pädagogik will Staunen und Respekt für das Netz des Lebens und unsere Rolle darin erzeugen, sie will Emotionen nutzen und diese Erfahrungen zu einer Naturschutzethik werden lassen, die in Aktionen mündet. Kurz: fesseln, inspirieren und befähigen“ (WAZA, 2005, S.38).

5. Inhalte – Themen

BNE UND „Grüne Umweltbildung“

Um die oben aufgeführten Ziele zu erreichen, bietet die Zooschule im Rahmen ihrer Veranstaltungen (Schulunterricht, Workshops, Sonderveranstaltungen, Aktionstage …) eine große Palette von Themen an, die einer Bildung für nachhaltige Entwicklung zuzuordnen sind. Diese Themen sind durch folgende Aspekte gekennzeichnet:

  • Aufzeigen von lokalen und globalen Zusammenhängen
  • Verdeutlichen von Zeiteffekten (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft)
  • Vernetzung von sozialen, ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten
  • Bezüge zur Lebenswelt der Lernenden
  • Vermittlung von intendierten und nicht intendierten Folgen von Entscheidungen und

Handlungen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene

  • Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf andere Themen und Fragestellungen.

Die folgende Tabelle führt exemplarisch BNE-Themen aus dem Programm der Zooschule auf. Themen zum Globalen Lernen, die im Kompass Globales Lernen Rheinland-Pfalz aufgenommen wurden, sind besonders gekennzeichnet.

Bildung für nachhaltige Entwicklung – Themen Kompass Globales Lernen (RLP) 2019

Achtung! Plastikmüll in unseren Ozeanen und X Meeren! (S.102) (thematische Aspekte: Bilanzen von Nachhaltigkeit, Recycling, Abfall/ Wasser, Gewässer, Meeresverschmutzung) Wälder schützen durch Recycling-Papier X (thematische Aspekte: Bilanzen von Nachhaltigkeit, Fairer (S.103) Handel, Produktion, Konsum und Ressourcen) Die ganze Welt in deinem Handy? Was haben X Handys mit Natur und Artenschutz zu tun haben. (S.101)

(thematische Aspekte: Bilanzen von Nachhaltigkeit, Recycling, Abfall/ Fairer Handel, Produktion, Konsum und Ressourcen) Bedeutung, Bedrohung und Schutz der Artenvielfalt Klimawandel – Klimaschutz: Wir wirkt sich der Klimawandel auf Tierarten aus? Ein Kindergeburtstag ohne Müll Ohne Wasser – kein Leben Aktiver Klimaschutz am Beispiel der Katala-Stiftung „Pepe in Not!“ Bedrohung und Schutz des Humboldt-Pinguins

„Grüne“ Umweltbildung – Grundlage und Voraussetzung für BNE

Das Programm der Zooschule enthält traditionell auch Themen, die primär in der sogenannten „Grünen Umweltbildung“ verortet werden können. Wir sehen Umweltbildung, die den Fokus auf ökologische Aspekte richtet und das Kennenlernen, Hegen, Pflegen der Arten und der Natur in den Mittelpunkt stellt, als Teil der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Zu den Themen mit vorwiegend ökologischer Ausrichtung zählen beispielsweise „Tiere und ihre Jungen“, „Tiere im Winter“ oder „Anpassung an den Lebensraum“. Auch im Rahmen von Veranstaltungen mit Themen aus dem Bereich der „Grünen Umweltbildung“ wird darauf geachtet, dass die Teilnehmenden …

  • für die Notwendigkeit des Natur- und Artenschutzes sensibilisiert und
  • mit Schutzmöglichkeiten vertraut werden und
  • der Erwerb von Gestaltungskompetenzen gefördert wird.

6. Kompetenzen

Förderung der Gestaltungskompetenz

Das zentrale Anliegen aller Bildungsveranstaltungen ist die Förderung der Gestaltungskompetenz, die eine zukunftsweisende und eigenverantwortliche Mitgestaltung einer nachhaltigen Entwicklung ermöglicht. „Gestaltungskompetenz“ kann definiert werden als „das nach vorne weisende Vermögen, die Zukunft von Sozietäten, in denen man lebt, in aktiver Teilnahme im Sinne nachhaltiger Entwicklung modifizieren und modellieren zu können“ (de Haan, 2008, S. 26). Gestaltungskompetenz umfasst 9 Teilkompetenzen (vgl. de Haan 2008, S.28), die in den Bildungsveranstaltungen der Zooschule gezielt gefördert werden. Die folgende Tabelle führt die Teilkompetenzen sowie verschiedene Möglichkeiten ihrer Förderung im Rahmen der Veranstaltungen auf.

Kompetenz Förderung – methodische Aspekte

Weltoffen und neue Rollenspiele, Interviews mit Menschen aus anderen Ländern Perspektiven integrierend und Kulturkreisen, Puppenspiele Wissen aufbauen vorausschauend denken Anregungen, über die Zukunft nachzudenken und Visionen und handeln vom Leben in der Zukunft im Sinne der Nachhaltigkeit zu entwickeln; Gestaltung von Collagen oder Zeichnungen vom Leben in der Zukunft, Fantasiereisen, Denk- und Planspiele, Rollenspiele, Modellbau, Zukunftswerkstatt Interdisziplinär Sachverhalte fachübergreifend und mit Bezug zu Erkenntnisse gewinnen und verschiedenen Fächern bearbeiten: Lernen an Stationen, handeln Werkstattarbeit, projektorientiertes Arbeiten

gemeinsam mit anderen Einsatz von Unterrichtsmethoden, die das Planen und Agieren planen und handeln ermöglichen (Lernen an Stationen, projektorientierte Verfahren, Werkstattarbeit) an Entscheidungsprozessen Einbeziehung von Teilnehmern bei der Gestaltung von partizipieren Veranstaltungen (z.B. Planung einer „Ferienwoche“) sich und andere motivieren, Einsatz von Sozialformen und Unterrichtsmethoden, die aktiv zu sein Eigenaktivität fördern (Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Lernen an Stationen, projektorientierte Verfahren) die eigenen Leitbilder und Wahrnehmungsspiele, szenisches Spiele, Rollenspiele, die anderer reflektieren Philosophieren, Lebenssituationen aus der Sicht verschiedener Personen, die unterschiedlichen Gruppen (z.B. Arbeiter, Eigentümer, Tourist, Person ohne Arbeit, Kind, Wilderer, Naturschützer) angehören, schildern selbstständig planen und Einsatz von Unterrichtsmethoden, die das selbstständige agieren Planen und Agieren ermöglichen (Lernen an Stationen, projektorientierte Verfahren) verständigen und Einsatz von Sozialformen und Unterrichtsmethoden, die das kooperieren Kooperieren und das Verständigen unterstützen (Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Lernen an Stationen, projektorientierte Verfahren); Aufgaben, die nur in Kooperation gelöst werden können; Teamspiele Empathie zeigen, gerecht Möglichkeiten anbieten, in denen sich Personen gegenseitig und solidarisch sein helfen können; Rollenspiele, Vergleich von Lebenssituationen anderer Menschen mit der eigenen (Familie): Analyse, Gegenüberstellung, Diskussion

Für die Bildungsarbeit mit Vorschulkindern und jüngeren Grundschulkindern haben wir die oben genannten Teilkompetenzen zu 5 Kompetenzen gebündelt, um deren Förderung in der Praxis zu erleichtern: Kommunikative Kompetenz: Als Brücke zwischen Denken und Handeln und für das erfolgreiche Handeln in der Gruppe ist Kommunikation unverzichtbar. Die Kinder erhalten stets zahlreiche Möglichkeiten sich sprachlich einzubringen und werden angeleitet, anderen respektvoll zuzuhören. Sprachförderung ist ein grundlegendes Prinzip der Zooschularbeit.

Emotionale Kompetenz: Ein positiver Zugang zu den eigenen Gefühlen ist für ein selbstsicheres Auftreten und für die Fähigkeit, Gefühle zu kommunizieren, grundlegend. In der Zooschule nutzen wir die Begegnung mit Tieren als besondere Möglichkeit, um über Gefühle wie Ekel, Angst und Freude zu sprechen.

Gestaltungskompetenz: Bereits jüngere Kinder sollten erfahren, dass sie in der Gruppe und in ihrer Umgebung Vorgänge beeinflussen können – aktiv, gemeinsam abgesprochen, mit einem Ergebnis, auf das sie stolz sein können. In der Zooschule schaffen wir durch kleine Arbeits- und Bastelaufträge durch kleine Aufgaben, die Kooperation erfordern, sowie durch ausgewählte Spiele immer wieder Situationen, in denen sich die Kinder als Personen erleben, die Aufgaben meistern können.

Soziale Kompetenz: Nur in gemeinsamer Anstrengung und Kooperation können die Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen gesichert werden. In den Veranstaltungen der Zooschule sollen sich Kinder als Teil einer Gruppe erleben und Rollen übernehmen können. Im Rahmen von Spielen und gemeinsamen Aktionen sollen sie erfahren, dass sie zusammen mit anderen etwas gestalten und bewegen können und dass sich viele Aufgaben gemeinsam einfacher lösen lassen.

Personale Kompetenz: Eine positive Identifikation mit sich selbst ist eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiches Lernen, für Leistungs- und Durchsetzungsvermögen. Der Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls wird gezielt in Veranstaltungen unterstützt. Dazu werden spielerische Möglichkeiten und die hautnahe Begegnung mit Tieren genutzt, um Kindern Erfolgserlebnisse zu bieten. Hier können sie sich mutig und stark erleben.

Die aufgeführten Kompetenzen entwickeln sich nicht isoliert, sondern sie bedingen sich gegenseitig. Ihre Entwicklung und Förderung erfordert viel Zeit. Außerschulische Lernorte, an denen sich Menschen in der Regel nur in einem engen Zeitrahmen aufhalten, können deshalb bezüglich der Kompetenzförderung nur unterstützend wirken. Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus und haben dabei besonderes die Veranstaltungsformate im Blick, die mit einem längeren Aufenthalt in der Zooschule einhergehen, wie zum Beispiel die Ferienwochen für Schulkinder oder die Übernachtungscamps.

7. Methoden und Medien

Ganzheitliche Bildung und Methodenvielfalt

Für die Entwicklung von Gestaltungskompetenz reicht die Vermittlung von Wissen und Kenntnissen nicht aus. Es gilt, drei Ebenen bei der ganzheitlichen Natur- und Umweltbildung und bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu berücksichtigen:

  • die affektiv-emotionale Ebene,
  • die kognitive Ebene und
  • die aktionale Ebene.

Wir wollen in der Zooschulpraxis alle Ebenen gleichwertig nebeneinander bedienen, von denen die erste für Gefühle und sinnliche Wahrnehmung steht, die zweite für Ratio, Intellekt und kausale Erklärungen und die letzte für Verhaltensmuster und Handlungskompetenz.

Unser Konzept sieht vor, Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Veranstaltungen durch Tierbeobachtungen, besondere Erlebnisse wie Tierfütterungen oder durch den direkten Kontakt mit Tieren positive, natur-/tierbezogene Erfahrungen zu ermöglichen. Darauf aufbauend und dabei das sich entwickelnde Interesse nutzend, wollen wir dann Kenntnisse vermitteln, fachliches Wissen entwickeln und Zusammenhänge darstellen. Dabei ist die handelnde Auseinandersetzung mit den Sachverhalten wichtig. Entscheidend ist dabei das selbstständige Arbeiten der Lernenden, was durch geeignete Aufgabenstellungen und Rahmenbedingungen zu erreichen ist.

Lernen als aktiver, konstruktiver und sozialer Prozess

Bei der Gestaltung von Veranstaltungen orientieren wir uns an neueren kognitionspsychologisch ausgerichteten Lernkonzepten, denen ein konstruktivistischer Lernbegriff zu Grunde liegt. Danach wird Wissen in der Auseinandersetzung mit der Umwelt aktiv erworben, es kann nicht eins zu eins von Lehrpersonen an die Lernenden weitergegeben werden. Lernen ist für uns daher kein „Wissenstransport“, sondern ein aktiver, konstruktiver und sozialer Prozess. Für diesen Prozess sehen wir die Eigenaktivität der Lernenden als den zentralen Motor an und wählen Methoden, die die Eigenaktivität der Teilnehmenden fördern. Zudem ist es uns wichtig, über die gewählten Methoden auch Kompetenzen im Hinblick auf Kommunikation und Kooperation zu fördern.

Somit legen wir grundsätzlich darauf Wert, dass die teilnehmenden Personen unabhängig vom Alter …

  • aktiv lernen können, also nicht nur zuhören, sondern sich auch selbst Sachverhalte

erarbeiten/ aneignen können. Deshalb wird das entdeckende und forschende Lernen gefördert und zum Beispiel durch den Einsatz von Forscherbögen oder Lernstationen unterstützt.

  • handlungsorientiert lernen können, beispielsweise durch Experimente, kleine

Versuche und spezielle Zuordnungsaufgaben.

  • miteinander austauschend und kooperierend lernen können, in dem verschiedene

Sozialformen wie Partner- oder Gruppenarbeit – realisiert werden.

Methodenvielfalt

Wir nutzen die Vielfalt der Methoden, um den Teilnehmenden unterschiedliche Zugänge zu den Lerninhalten und ein interdisziplinäres, gestalterisches und kommunikatives Lernen zu ermöglichen. Dabei wird auch das Lernpotential berücksichtigt, das Spiele (szenische Spiele, Rollen- oder Planspiele, Teamspiele und Lernspiele) für eine aktive Auseinandersetzung mit Lerninhalten bieten.

Betrachten und Beobachten unterstützen

In der zoopädagogischen Praxis unterstützen wir das Betrachten und Beobachten der Tiere am Gehege durch Mal- und Zeichenaufgaben, durch den Einsatz von Sehhilfen wie

beispielsweise Ferngläser und Fernrohre aus Pappe, durch pantomimische Darstellungen, Knet- und Modellieraufgaben sowie durch „Forscherbögen“ (vgl. Hollstein 1996).

Philosophieren – gemeinsam nachdenken

Der Weg zu verantwortungsbewusstem Handeln führt über eigenständiges Denken. Dieses wollen wir gezielt in unseren Veranstaltungen fördern. Über den gemeinsamen Austausch über Werte, Normen und zentralen Fragen der Nachhaltigkeit (z.B. „Wem gehört die Natur?“ oder „Was bedeutet Verantwortung?“) erleben die Teilnehmenden die Perspektive der anderen, sie erfahren, wie sie denken und vor allem, warum sie so denken. Sie lernen, ihr eigenes Verhalten, aber auch das ihrer Umwelt zu reflektieren. Bei diesen Gesprächen nimmt der Zoopädagoge/ – die Zoopädagogin keine Sonderstellung ein. Im Zentrum der Gespräche steht die gleichberechtigte, aktive Teilhabe aller Beteiligten an Meinungsbildungsprozessen. Als Moderator unterstützt er/ sie die Teilnehmenden dabei, Antworten zu finden und zu einer Deutung und Beurteilung der Wirklichkeit zu gelangen; er bewertet jedoch weder Inhalt noch Ergebnis des Austausches.

Werte vermitteln: Zoopädagoge/ Zoopädagogin als Vorbilder

Werte und Wertebildung gehören zum Kern jeder Bildung. Woran wir uns orientieren, was wir wertschätzen, was wir achten und was uns nahe ist, gehört zum Kern unseres Mensch-Seins, unserer Identität. Es ist uns bewusst, dass das Vorbild, das Pädagogen und der Pädagoginnen durch ihr Verhalten bieten, bei der Vermittlung von Werten eine bedeutsame Rolle spielt. In jeder Situation wird deshalb der respektvolle Umgang mit allen Personen angestrebt. Auch der achtsame und wertschätzende Umgang mit allen Tieren im Umfeld von Zoo und Zooschule erweist sich als selbstverständlich. Für Kinder sehen wir Übungen zum sorgsamen und achtsamen Umgang mit Lebewesen vor, zum Beispiel das Bürsten und Füttern von Tieren im Streichelzoo oder das vorsichtige Fangen und Behandeln von Insekten.

Differenzierung

Wir tragen der Heterogenität von und innerhalb von Schulklassen und Gruppen im Hinblick auf Vorwissen, Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten dadurch Rechnung, dass wir bei der Gestaltung der Veranstaltungen inhaltlich und methodisch differenzieren. So bieten wir für zügig arbeitende Personen zusätzliche Arbeitsaufträge, Lerninhalte und Medien an und präsentieren Arbeitsaufträge in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Das gemeinsame Agieren von leistungsstärkeren und -schwächeren Kindern/ Jugendliche regen wir bewusst an, um Teamgeist und Kooperation zu fördern. Große zeitliche Einschränkungen, die bei den meisten Veranstaltungsformaten der Zooschule gegeben sind, machen es jedoch erforderlich, dass auch Wissen vorgegeben werden muss. Dies geschieht so anschaulich wie möglich unter Einbeziehung von unterschiedlichen Medien (u.a. Bildern, Filmausschnitten, Modellen).

Die Auswahl der Methoden hängt von den Inhalten, den angestrebten Zielen und den zu fördernden Kompetenzen, der zeitlichen Dauer und Art der Veranstaltung (z.B. Schulunterricht, Erlebnisführung oder Workshop in den Schulferien), dem Vorwissen sowie von den Fähigkeiten, Fertigkeiten, Interessen und Wünschen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab.

Vielfalt der Medien nutzen

Die wichtigsten Medien stellen die Zootiere dar, sie stehen in jeder Veranstaltung im Mittelpunkt. Auch wenn im Rahmen einiger Veranstaltungsformate (z.B. „Erlebnisführung“) eine größere Anzahl von Zootierarten einbezogen werden, so vertreten wir doch die Ansicht, dass es gewinnbringender ist, wenige Tierarten genau und intensiv zu betrachten, als eine große Anzahl von Arten quasi nur im Vorbeigehen oberflächlich wahrzunehmen. In unseren Bildungsveranstaltungen nutzen wir die Vielzahl an vorhandenen Medien, wie beispielsweise Modelle, Anschauungsobjekte, Mikroskope, Bestimmungsbücher, Tablets und Spiele, um Sachverhalte zu veranschaulichen und/ oder Informationen zu vermitteln. Der Zoopädagoge/ die Zoopädagogin entscheidet über ihren Einsatz im Hinblick auf die Lerngruppe, die Lernziele und die Lerninhalte. Ihr Einsatz geschieht nie um ihrer selbst willen, sondern es geht immer darum, das Lernen und den Kompetenzerwerb zu unterstützen. Für den Einsatz im Zooschulunterricht und in den Ferienwochen sowie für die Nachbereitung des Zooschulunterrichts entwickeln wir selbst Medien, die genau auf unsere Veranstaltungen abgestimmt sind und eine Auseinandersetzung mit den Lerninhalten (beispielsweise auch zur Nachbereitung des Zooschulunterrichts) unterstützen und fördern (Beispiele s. Anhang).

8. Zielgruppen

Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit:

Bildung und Erziehung von Kindern

Die Zooschule möchte lebenslanges Lernen unterstützen und bietet deshalb ein Programm für ein breites Publikum mit Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie für alters- und generationengemischte Gruppen (zum Beispiel „Familien“) an. Es werden dabei Privatpersonen, Schulklassen, Kindergartengruppen und Gruppen aus anderen (Bildungs-) Einrichtungen sowie (angehende) Multiplikatoren berücksichtigt. Wir legen den Schwerpunkt auf die Bildungsarbeit mit Kindern. Dies sind die Gründe dafür:

  • Kinder besitzen ein besonderes Interesse an Tieren (vgl. Gebhard 2005) und besuchen

deshalb auch im Rahmen ihrer Freizeit sehr gerne den Zoo und die Zooschule.

  • Kinder verfügen über relativ viel Freizeit (zum Beispiel in den Schulferien), um an

Veranstaltungen in der Zooschule teilzunehmen.

  • Kindergärten und Grundschulen können das Aufsuchen außerschulischer Lernorte wie

den Zoo und die Zooschule relativ flexibel für ihre Klassen und Gruppen organisieren.

  • Kinder werden heute in ihren Familien in die Lebensgestaltung (Konsum, Freizeit,

Urlaub) einbezogen (vgl. Andresen 2018). Das, was Kinder erfahren und lernen, wirkt in die Familien hinein. Über die Kinder können wir also auch Personen in ihrem Lebensumfeld erreichen. Die Zooschule reagiert auf diese günstigen Voraussetzungen mit einem breiten Programm für Kinder. Es umfasst Zooschulunterricht im Rahmen einer breiten Themenpalette, schulbezogene Großveranstaltungen wie die „Zoo-Jugendspiele“ sowie Veranstaltungen (Workshops, Ferienwochen, Übernachtungscamps) in den Schulferien und am Wochenende. Darüber hinaus berücksichtigt die Zooschule bei der Gestaltung des Bildungsprogramms besonders Jugendliche (bis circa 16 Jahren). Jugendliche besuchen den Zoo nur noch selten in der Freizeit, und im Vergleich zur Kindheit haben nun andere Interessen Vorrang. Jugendliche akzeptieren und schätzen jedoch Zoos als außerschulische Lernorte. Im Zuge des Trends zu mehr „Öffnung von Schule und Unterricht“ werden diese von Lehrkräften weiterführender Schulen – trotz der nicht einfachen Organisation durch den oft stündlich wechselnden Fachunterricht – vermehrt genutzt. Die Zooschule reagiert darauf mit einem vielfältigen Programm für Schulklassen weiterführender Schulen im Bereich der Sekundarstufe I. Eine weitere wichtige Personengruppe bilden Studierende der Universität Koblenz-Landau. Seit ihrer Gründung stellt die Zooschule ein Praxisfeld für angehende Lehrerinnen und Lehrer dar. Sie lernen über ihre Mitarbeit in der Zooschule Inhalte, Methoden und Medien der Bildung für nachhaltige Entwicklung praxisbezogen kennen. Ihre Ausbildung zum Lehrer/ zur Lehrerin erhält somit einen besonderen Akzent, der sich im Rahmen der späteren Berufsausübung mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv auswirken wird: Es ist zu erwarten, dass Lehrerinnen und Lehrer, die während ihres Studiums in der Zooschule mitgearbeitet haben, verstärkt nachhaltigkeitsbezogene Themen im Unterricht behandeln und diese kompetent für ihre Schülerinnen und Schüler aufbereiten werden.

Erläuterungen der Zielgruppen

Zielgruppe „Vorschulkinder“

Für die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft ist es wichtig, dass bereits die Kleinsten in den Prozess eingebunden werden. Empirische Forschungen haben gezeigt, dass sich Einstellungen gegenüber Menschen und anderen Lebewesen spätestens ab dem 5. Lebensjahr verfestigen. Wir vertreten deshalb folgenden Grundsatz: Je früher Kinder dafür sensibilisiert werden, dass alle Lebewesen, alle Arten bedeutsam und voneinander abhängig sind, umso selbstverständlicher wird für sie auch der sorgsame und respektvolle Umgang mit allen Lebewesen. Werte und Überzeugungen, die sich Menschen in der frühen Kindheit aneignen, prägen ihr späteres Verhalten sich selbst, ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt gegenüber. Wir sind davon überzeugt, dass durch positive emotionale Naturerlebnisse, durch einen strukturierten Wissensaufbau, forschendes Lernen sowie durch Wertebildung bereits

bei Kindergarten-/ Vorschulkindern Kompetenzen angebahnt werden können, die einen nachhaltigen Umgang mit der Natur und einen respektvollen Umgang mit allen Lebewesen erlauben. Wir wollen bereits Vorschulkindern im Rahmen unserer Veranstaltungen ermöglichen, sich mit Naturschutz und der Vielfalt des Lebens zu befassen. Bei der Gestaltung und Umsetzung von Veranstaltungen für Vorschulkinder beachten wir ihr besonderes Bedürfnis nach personenbezogener Nähe, Anschaulichkeit (das Denken beruht bei Vorschulkindern und Schulanfängern noch auf unmittelbare Anschauung), Bewegung und Aneignung über das Spiel. Wir berücksichtigen die noch geringe Aufmerksamkeitsspanne und den noch begrenzten Wortschatz. Beispiele für Unterrichtsthemen (Zooschulunterricht):

  • Wir erkunden die Wunderwelt Boden
  • Wir schützen die Natur! Spielerisch lernen Abfälle zu trennen
  • Schatzsuche: Artenvielfalt entdecken und erleben
  • „Auf unserer Wiese gehet was“: Weißstörche im Landauer Zoo

Wir tragen den besonderen Bedürfnissen von Vorschulkindern bei der Gestaltung und Durchführung der Veranstaltungen Rechnung durch …

  • … das Anknüpfen an die Lebenswirklichkeit und die Erfahrungswelt der Kinder;
  • … das Einbetten von Lerninhalten in kleine Geschichten;
  • … einen vielfältigen Medieneinsatz (u.a. Stoff- und Schleichtiere, Handpuppen);
  • … die Behandlung von konkreten (keinesfalls abstrakten) Inhalten;
  • … ein Lernen über vielfältige spielerische Aneignungsformen;
  • … die Unterstützung des Lernens durch Bewegung;
  • … die Förderung des Lernens durch eine zielgerichtete sprachliche Förderung;
  • … einen angemessenen Wechsel der Lernphasen: kurze Phasen des konzentrierten

Zuhörens wechseln sich ab mit Phasen, die durch Bewegung, Aktion und Spiel geprägt sind;

  • … den Einsatz von Leitfiguren (z.B. als Handpuppen), die die Kinder in besonderer

Weise ansprechen und motivieren.

  • … die Einbeziehung von Liedern und Merksprüchen.

Veranstaltungsformate: Erlebnisführung, Zooschulunterricht, Veranstaltung zur

Sprachförderung

Zielgruppe „Schulkinder“ (Grundschule/ Orientierungsstufe)

Empirische Untersuchungen (vgl. Stoltenberg 2002) sowie unsere praktischen Unterrichtserfahrungen zeigen, dass auch schon Kinder im Grundschulalter ihre Welt unter der Perspektive einer nachhaltigen Entwicklung sehen und Kompetenzen und Wissen für die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft erwerben können. Sie besitzen bereits wichtige Voraussetzungen, um sich mit Themen der Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, so zum Beispiel Schlussfolgerungs- und Problemlösekompetenzen sowie Empathie-, Kommunikations- und Teamfähigkeit (vgl. Hiller & Niederberger 2015, S.10 ff.). Wir wollen deshalb in unseren Veranstaltungen Kindern ermöglichen, die Perspektive „Nachhaltigkeit“ in ihre

Weltsicht einzubeziehen und sich an einer zukunftsfähigen Gestaltung unseres Gemeinwohls gemeinsam mit anderen zu beteiligen. Wir wollen sie anregen und dabei unterstützen, Perspektiven anderer Menschen aus verschiedenen Weltregionen einzunehmen und sich ihre Lage zu versetzen. Bei der Gestaltung von Unterricht mit Grundschulkindern achten wir auf eine enge Verzahnung von Nähe und Ferne, von Vertrautem und weniger Vertrautem. Wir berücksichtigen, dass sich vor allem bei Schulanfängern das Lernen noch auf der Ebene des konkreten Tuns vollzieht. Mit Hilfe von bildhaften und anschaulichen, zunehmend auch symbolische Darstellungen helfen wir den Kindern, sich allmählich vom konkreten Tun zu lösen, Sachverhalte differenzierter zu durchschauen, Sachzusammenhänge herzustellen und grundlegende Prinzipien und Regeln zu finden. Wir beachten, dass Grundschulkinder – vor allem die jüngeren – noch ein starkes Bedürfnis nach Bewegung, personenbezogener Nähe und Anschaulichkeit besitzen, und die Konzentration auf einen Sachverhalt nicht lange anhält. Deshalb werden die Phasen des Erklärens kurzgehalten und dafür viel Zeit gewährt, um allein, zu zweit oder mit mehreren Mitschülern kleine Aufgaben zu lösen. Filmausschnitte und Bilder, die Menschen und Lebenssituationen aus fernen Ländern zeigen, helfen, sich in die Lage von anderen Menschen einzufühlen. Auch das Erstellen von kleinen Büchlein, „Lapbooks“ oder Aufbewahrungsboxen („Weltretterbox“), in deren Gestaltungsprozess Gelerntes einfließen kann, halten wir für sinnvoll. Bei der Gestaltung und Durchführung der Veranstaltungen achten wir auf …

  • … das Anknüpfen an die Lebenswirklichkeit und die Erfahrungswelt der Kinder

(Familie, Schule, Freizeit);

  • … das Aufgreifen von Erfahrungen, Erlebnissen, Fragen und Problemen der Kinder;
  • … eine enge Verzahnung von Nähe und Ferne, von Vertrautem und weniger

Vertrautem;

  • … ein problemorientiertes Vorgehen mit der gemeinsamen Suche nach Lösungen;
  • … das Vermeiden einer „Katastrophenpädagogik“; vielmehr geht es immer darum,

positive Gestaltungsmöglichkeiten für eine gute Zukunft zu erarbeiten;

  • … die Behandlung von primär konkreten und weniger abstrakten Sachverhalten;
  • … Bezüge zu Themen, die in aktuellen Lehrplänen für die allgemeinbildenden Schulen

aufgeführt werden;

  • … besondere Anschaulichkeit durch vielfältige Medien (Tierschädel, Filmausschnitte,

Bilder, Tablets);

  • … ein Lernen auch über spielerische Aneignungsformen, vor allem bei

Schulanfängern;

  • … die Unterstützung des Lernens durch Bewegung;
  • … die Förderung des Lernens durch eine zielgerichtete sprachliche Förderung;
  • … die Einbeziehung von Liedern und Merksprüchen bei Schulanfängern.

Beispiele für Unterrichtsthemen (Zooschulunterricht):

  • Wälder schützen durch Recyclingpapier
  • Achtung! Plastikmüll in unseren Ozeanen und Meeren!
  • Ohne Wasser – kein Leben
  • Ein Kindergeburtstag ohne Müll
  • Wir erkunden die Wunderwelt Bach

Veranstaltungsformate: Erlebnisführung, Zooschulunterricht, Zoo-Jugendspiele, Zoo-Natur- Erlebnistage, Workshops, Ferienwochen, Übernachtungscamps

Zielgruppe „Jugendliche“ (Sekundarstufe I)

Mehr als drei Viertel aller Jugendlichen sind besorgt über den Zustand der Welt in 20 Jahren, rund drei Viertel aller Jugendlichen in Deutschland und Österreich zeigen sich sogar ziemlich oder sehr besorgt (vgl. Bertelmann Stiftung 2009, S.6f.). Die Untersuchung „Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer – Was bewegt die Jugend?“ der Leuphana-Universität Lüneburg 2011 kommt zu dem Ergebnis, dass von den 15-24-Jährigen anspruchsvoller Nachhaltigkeitsunterricht als nützlich für das spätere Leben bewertet und gewünscht wird (vgl. Grunenberg/ Küster/ Rode 2012). Als wichtig erscheint es uns, im Zooschulunterricht die Jugendlichen da „abzuholen“, wo sie mit ihren Interessen stehen, und von konkreten Beispielen aus den Bereichen Konsum, Sport und Freizeit auszugehen. Während in der Grundschule der Blick – wenn es um konkrete Handlungsfelder geht – noch verstärkt auf das direkte Lebensumfeld der Kinder (Familie, Schule, Stadt und Gemeinde) gerichtet ist, wird in der Sekundarstufe in weiteren Dimensionen gedacht und Aspekte wie Bildung, Armut und soziale Sicherheit behandelt. Insgesamt achten wir bei der Behandlung der Themen auf eine kontinuierliche Zunahme der kognitiven Breite und Differenziertheit der Anforderungen. Wir achten auch bei dieser Zielgruppe auf den Einsatz altersgerechter Medien. So beziehen wir beispielsweise die in dieser Altersgruppe sehr beliebten digitale Medien (Handys, Tablets) ein und lassen die Jugendlichen beispielsweise zu ausgewählten Inhalte recherchieren.

Bei der Gestaltung der Veranstaltungen für diese Zielgruppe achten wir auf …

  • … Anknüpfungspunkte aus der Lebenswelt und den Interessensbereichen der

Jugendlichen (Sport, Freizeit, Mode und Konsum);

  • … das Verdeutlichen von Wechselwirkungen zwischen lokalen und globalen

Prozessen;

  • … Herausarbeiten von Zielkonflikten und Ansätzen der nachhaltigen Entwicklung

durch die Abstimmung von Zielen und Interessen;

  • … die Förderung eines kritischen Bewusstseins;
  • … das Herstellen von Bezügen zu realistischen Handlungsoptionen im Umfeld der

Jugendlichen;

  • … die Betonung der Eigenverantwortlichkeit bei der Vorstellung der möglichen

Maßnahmen;

  • … Bezüge zu Themen der Nachhaltigkeit, die in aktuellen Lehrplänen für die

allgemeinbildenden Schulen aufgeführt werden.

Beispiele für Unterrichtsthemen (Zooschulunterricht):

  • Die ganze Welt in deinem Handy? Was das Handy mit Natur- und Artenschutz zu tun

hat.

  • Klimawandel – Klimaschutz: Wir wirkt sich der Klimawandel auf Tierarten aus?
  • Bedrohte Tierarten hier und anderswo
  • Bedeutung, Bedrohung und Schutz der Artenvielfalt
  • Artenschutzarbeit des Landauer Zoos

Veranstaltungsformate: Erlebnisführung, Zooschulunterricht, Outdoorcamp

Lehramtsstudierende der Universität Koblenz-Landau

Die Zooschule bietet Studierenden an, in der Zooschule über einen kürzeren oder längeren Zeitraum mitzuarbeiten. Dazu wurde die Zooschule als Praxisfeld für Lehramtsstudierende eingerichtet. Studierende haben nach einer Ausbildungsphase die Möglichkeit, eigenverantwortlich Veranstaltungen zu leiten. Für die Studierenden, die in der Zooschule langfristig aktiv mitarbeiten, gibt es in jedem Semester ein sogenanntes „Begleitseminar zur Zooschule“. Hier wird über das BNE-Verständnis diskutiert, und es werden BNE-Unterrichtseinheiten besprochen und weiterentwickelt. Großveranstaltungen, wie die Zoo-Jugendspiele werden im Rahmen dieser Veranstaltung gemeinsam geplant und organisiert. Für die weitere Ausbildung der Studierenden für die Bildungsarbeit in der Zooschule sowie für die Fort- und Weiterbildung bieten wir weitere spezielle Veranstaltungen an, u.a. einen sogenannten mehrtägigen „Basiskurs“, in dem nicht nur ökologische Grundbegriffe und Zusammenhänge vorgestellt, sondern auch die Grundlagen der BNE vermittelt und diskutiert werden. Studierende haben zum einen die Möglichkeit, über die gesamte Studienzeit in der Zooschule mitzuarbeiten, zum anderen können Sie auch ein Praktikum in der Zooschule absolvieren oder punktuell bei der Planung und Durchführung der Veranstaltungen mitarbeiten. Zudem können Studierende Prüfungsarbeiten im Umfeld der Zooschule verfassen. Veranstaltungsformate: Begleitseminar zur Zooschule, Basiskurs, Seminare zur Fort- und Weiterbildung

Jugendliche (ab 17 Jahren): Jugendliche dieser Altersgruppe besuchen mit ihrer Schulklasse (Oberstufe weiterführender Schulen, Berufsschule) Zoo und Zooschule im Rahmen des obligatorischen Schulunterrichts. Hier ist es wichtig, im Rahmen des Zooschulunterrichts gezielt einen Bezug zu den Schulfächern (z.B. Biologie) und den Lehrplänen herzustellen. Wir beziehen Experten in den Unterricht ein, um aus erster Hand spezielles Wissen an die Jugendlichen weiterzugeben und eine intensive fachbezogene Diskussion auf einem hohen Niveau zu ermöglichen. Beispiele für Unterrichtsthemen (Zooschulunterricht):

  • Aufgaben und Arbeitsweisen eines modernen Zoos
  • Aktiver Klimaschutz am Beispiel der Katala-Stiftung
  • Biodiversität: Bedeutung, Bedrohung und Schutz
  • Klimawandel – Klimaschutz: Wie wirkt sich der Klimawandel auf Tierarten aus?

Familien: Familien besuchen am Wochenende und in den Schulferien gerne den Zoo. Die Zooschule berücksichtigt das Freizeitverhalten und präsentiert in diesen Zeiträumen Bildungsangebote für Familien. Hier eignet sich besonders das Thema „Artenvielfalt und Artenschutz“, um ausgehend von den Zootieren Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das Interesse an thematischen Aspekten wird durch Lern- und Gestaltungsangebote geweckt, in denen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern kleine Experimente durchführen, sich Wissen aneignen oder nützliche Gegenstände (z. B. Nistkästen für heimische Vögel) herstellen können. Handlungsmöglichkeiten werden konkret auf das Lebensumfeld bezogen, zum Beispiel auf die naturnahe Gestaltung des Gartens oder den sorgsamen Umgang mit Materialien im Haushalt. Beispiele für Veranstaltungen für Familien:

  • Familientag zur Artenvielfalt
  • Gibbon-Aktionstag
  • Aktionstag zum Welt-Pinguin-Tag
  • Familien-Erlebnisführung

Multiplikatoren: Wie und was können Kinder im Zoo lernen? Wie können Beobachtungsaktivitäten der Kinder unterstützt werden? Wie kann das aktive und selbstständige Lernen im Zoo gefördert werden? Für diese Fragen interessieren sich Lehrkräfte, aber auch Erzieher und Erzieherinnen sowie Lehramtsstudierende und Referendare und Referendarinnen. Für diese breite Zielgruppe bietet die Zooschule eigene Veranstaltungen an, in denen Methoden, Medien und Unterrichtsgestaltungen konkret mit Bezug zu ausgewählten BNE-Themen vorgestellt werden. Hier glauben wir an folgendes Prinzip: „Das, was selbst erlebt, ausprobiert und dann durchdacht wird, das wird am ehesten in der pädagogischen Praxis umgesetzt.“ Die Veranstaltungen werden teilweise in Kooperation mit dem Pädagogischen Landeszentrum RLP organisiert.

„Menschen mit Beeinträchtigungen und besonderen Bedürfnissen“: Alle Veranstaltungen der Zooschule verstehen sich als „inklusive“ Veranstaltungen. Menschen mit Beeinträchtigungen sind in jeder Veranstaltung willkommen. Individuelle Bedürfnisse werden – soweit bekannt besonders berücksichtigt. Das Bildungsprogramm der Zooschule sieht jedoch auch spezielle Veranstaltungen für Menschen mit Beeinträchtigungen bzw. von besonderen Bedürfnissen vor und richtet die Veranstaltungen entsprechend aus.

9. Veranstaltungsformate

Wichtige Veranstaltungsformate

Zooschulunterricht: Hier steht die Lernzielorientierung im Vordergrund. Thema und Lernziele werden gemeinsam mit den Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern, Gruppenleiterinnen

und -leitern festgelegt. Schulische Arbeitsweisen (z.B. Notieren, Rechnen, Lesen …) finden Berücksichtigung. Ein Angebot an Hilfen zur Vor- und Nachbereitung des Zooschulunterrichts unterstützt die Einbettung desselben in den Schulunterricht.

Veranstaltungen mit Schwerpunkt Sprachförderung: Hier wird das Lernen über biologische und ökologische Zusammenhänge gezielt mit einer intensiven Sprachförderung verbunden. Dazu wird der Sprachstand der Kinder durch einen Pretest für eine bedarfsorientierte Gestaltung der Veranstaltungen erhoben. Wir sehen die mehrwöchig angelegten Veranstaltungen als eine besonders gute Gelegenheit, um (Sprach-)Kompetenzen zu fördern und Lernziele zu erreichen.

Mit besonderen Veranstaltungen wie den „Zoojugendspielen“ oder den „Zoo-Natur- Erlebnistagen“ möchten wir Schulklassen anregen, sich mit einem Thema intensiv zu befassen und projektorientiert in ihrem Lebens- und Schulumfeld aktiv zu werden. Auch hier sehen wir besondere Möglichkeiten der Kompetenzförderung und des intensiven Lernens mit dem Hineinwirken in die Familien und Schulen.

Zoo-Jugendspiele: Der Wettbewerb zur Bedeutung, zur Bedrohung und zum Schutz der Artenvielfalt“ regt vierte Klassen an, sich über einen längeren Zeitraum mit dem Thema „Bedeutung, Bedrohung und Schutz der Artenvielfalt“ zu befassen. Im Rahmen einer ganztägigen Großveranstaltung testen die Schulklassen ihr Wissen zum Thema. An dem einmal im Jahr ausgerichteten Wettbewerb nehmen stets 20 Schulklassen mit rund 500 Kindern teil. Das Veranstaltungsformat wurde von der Zooschule Landau entwickelt.

Zoo-Natur-Erlebnistage: Die Veranstaltung regt erste Klassen an, sich ein Jahr lang mit Vogelvielfalt und Vogelschutz zu befassen. Auftakt dazu bilden die Zoo-Natur-Erlebnistage im Zoo und in der Zooschule Landau. Hier erhalten die Erstklässler eine Einführung in die Thematik und dazu Forschermappen, Bestimmungsbücher, Ferngläser und eine Mappe für ihre Familie. In der Schule arbeiten die Kinder an der Thematik projektorientiert weiter und präsentieren ihre Ergebnisse im Rahmen eines Wettbewerbs.

Erlebnisführungen: Im Rahmen eines didaktisch gestalteten Zoorundganges wird eine größere Anzahl von Zootieren einbezogen. Die Erlebnisführung kann eine besondere thematische Ausrichtung (z.B. „Raubtiere im Landauer Zoo“) besitzen. Es handelt sich bei den Veranstaltungen nicht um klassische Führungen mit dem Anspruch einen Überblick über den gesamten Zoo mit der Einbeziehung möglichst vieler Tiere mit der Vermittlung möglichst vieler Einzelinformationen zu präsentieren. Stattdessen werden ausgewählte Tierarten vorgestellt und ausreichend Zeit zur Beobachtung und Betrachtung gewährt. Mit unterschiedlichen Medien, kleinen spielerischen Aufgaben und Hilfen beim Beobachten wird die Eigenaktivität der Teilnehmer und Teilnehmerinnen gefördert.

Ferienwochen sind einwöchige Veranstaltungen für Schulkinder von 6-12 Jahren in den Schulferien. Die Kinder erleben täglich ein abwechslungsreiches mehrstündiges Bildungsprogramm, das sie „fit für die Zukunft“ machen soll. Themen mit Bezug zur Nachhaltigkeit (z.B. „Wälder schützen durch Recyclingpapier“) werden intensiv behandelt.

Spielerische Aneignungsformen, forschendes und entdeckendes Lernen stehen im Vordergrund. Die Veranstaltungen sind aufgrund ihrer zeitlichen Länge besonders gut geeignet, Kompetenzen zu fördern und Wertvorstellungen zu vermitteln.

Mit Workshops zu wechselnden Themen werden Menschen mit besonderen Interessen angesprochen. Im Rahmen dieser mindesten dreistündig angelegten Veranstaltungen befassen sich die Teilnehmer/ Teilnehmerinnen aktiv und intensiv mit einem ausgewählten Thema. Ausgewählte Tierarten werden mit Bezug zum Veranstaltungsthema einbezogen.

Über die spannungsreich gestalteten Veranstaltungen „Abenteuer-Nachtlager“ und „Outdoorcamp“ mit Übernachtung im Zoogelände bietet sich die Möglichkeit, Schulkinder und Jugendliche für ausgewählte Themen des Arten- und Naturschutzes zu interessieren. Gleichzeitig können sehr gut soziale und personale Kompetenzen gefördert werden.

Jedes Jahr bietet die Zooschule Sonderveranstaltungen (Aktionstage, Tage der offenen Tür) an, um über ein besonderes Thema (z.B. „Aktionstag zum Schutz des hochbedrohten Humboldt-Pinguins“) oder die besondere Gestaltung oder Ausrichtung („Wir basteln zusammen Nistkästen“) vor allem Familien anzusprechen. Die Veranstaltungen werden so gestaltet, dass sich Eltern zusammen mit Kindern mit Bildungsinhalten abwechslungsreich, aktiv und spielerisch – auch im Rahmen von Lernlandschaften – befassen können. Dies wird von uns als besondere Chance gesehen, Wissen über Nachhaltigkeit sowie zum Schutz der Natur und der Lebensgrundlagen in das tägliche Leben der Familien zu bringen.

10. Realisierung

Positionenvielfalt – Dialog – Wirken im Team

Wir wissen, dass BNE um ein Vielfaches wirksamer wird, wenn sie nicht von Einzelkämpfern betrieben wird, sondern von einem Team, das sich koordiniert, informiert und die große Aufgabe BNE auf viele Schultern aufteilt. Wir wollen alle Teammitglieder zur Zusammenarbeit einladen und sie ermuntern gerade dort einen wesentlichen Beitrag zu leisten, wo sie dies am besten können.

Es ist uns bewusst, dass es in der BNE immer auch um Werte, Gewichtungen und verschiedene Perspektiven geht. Wir nehmen darin gegenüber anderen immer eine Position ein und machen sie transparent. Wir wollen in allen Bildungsveranstaltungen deutlich zeigen, welche Werte uns leiten und wofür wir stehen. Von den Teilnehmenden unserer Veranstaltungen fordern wir Meinungsbildung und Positionsbezug ein, jedoch ohne die Erwartung, dass es dieselben sein werden wie die eigenen. In diesem Einsichtig-Machen und Hinhören, Aus- und Verhandeln können aus unserer Sicht neue, eigenständige Wege, Perspektiven und Lösungen entstehen.

Jede Veranstaltung wird sorgfältig – wenn möglich mit Teammittgliedern – geplant und umgesetzt. Eine Reflexion nach der Veranstaltung im Hinblick auf das Erreichen der Ziele ist selbstverständlich. Die folgende Tabelle führt im Hinblick auf die Planung, Durchführung und Nachbereitung der Veranstaltungen wichtige Aspekte auf.

Umsetzung der Veranstaltungen

Planung • Sichten der Anmeldeinformationen

  • Erfassen der Rahmenbedingungen (Zeit, Vorwissen, gewünschtes Thema,

Veranstaltungsformat, Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der teilnehmenden Personen …)

  • Kontaktaufnahme mit den Begleitpersonen

Durchführung • Strukturierte Durchführung der Veranstaltung nach den Schritten a) Einstieg/ Motivation, b) Erarbeitung, c) Sicherung und Festigung

  • Nach der Veranstaltung: Reflexionsrunde mit den Teilnehmern/

Teilnehmerinnen

  • Beenden der Veranstaltung mit dem Aushändigen von

Informationsmaterialien mit Bezug zum Veranstaltungsthema (z.B. Tipps zur Vermeidung von Kunststoffabfall im Haushalt) sowie ggf. Materialien zur Nachbereitung des Unterrichts (z.B. die Kinder-Agenda Pfalz, Bd. 1 und 2)

Reflexion/ • Sichten der Evaluationsbögen, Gespräch im Team über die Durchführung Evaluation der Veranstaltung

11. Zusammenarbeit und Vernetzung

„Leistung durch Kooperation!“

Seit ihrer Gründung im Jahr 1992 setzt die Zooschule auf die Zusammenarbeit mit Experten und Einrichtungen aller Art ein, um die Qualität der Bildungsveranstaltungen zu erhöhen. Wir nutzen unsere Mitgliedschaften in verschiedenen Netzwerken für den intensiven Erfahrungsund Meinungsaustausch bezüglich der durchgeführten Bildungsveranstaltungen, zur Planung gemeinsamer Veranstaltungen und Aktionen und für Diskussionen, zum Beispiel über das Verständnis von BNE. Durch das Aufeinander Abstimmen und das gemeinsame Durchführen von Bildungsangeboten und durch eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit wollen wir Synergie-Effekte bei der Umsetzung des BNE-Konzeptes erzielen und nutzen. Damit wollen wir einen Beitrag im Hinblick auf die strukturelle und nachhaltige Verankerung von BNE in die rheinland-pfälzische Bildungslandschaft leisten. Als sehr wichtig sehen wir eine Zusammenarbeit mit Schulen und Kindertagesstätten an, um die Bildungsangebote auf die curricularen Grundlagen sowie auf die Wünsche und Bedürfnisse der Klassen und Gruppen auszurichten.

Kooperationseinrichtungen und Netzwerke – eine Auswahl

  • Netzwerk BNE Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen
  • Netzwerk Umweltbildung Südpfalz
  • ZentrAL – Zentrum für Bildung und Forschung an Außerschulischen Lernorten
  • Pädagogisches Landeszentrum Speyer
  • Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT)
  • ANU – Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (RLP)
  • Forum Demenz Landau
  • Forstamt Haardt
  • Sphenisco – Schutz des Humboldtpinguins e.V.
  • Medienzentrum Südliche Weinstraße
  • RPTU: Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter
  • RPTU: Institut für Förderschulpädagogik
  • Verband der deutschen Zoopädagogen
  • The International Zoo Educators Association (IZE)
  • Verbund „LernOrte-Nachhaltigkeit“ (vom Pädagogischen Landesinstitut

zertifizierte außerschulische Bildungseinrichtungen)

12. Bildungspartnerschaften

Wir bieten Schulen und Kindergärten Bildungspartnerschaften an. Damit wollen wir anregen, das Bildungsprogramm der Zooschule regelmäßig und intensiv zu nutzen. Zusätzlich bietet die Zooschule Mithilfe bei der Umsetzung von BNE-Projekten. Bildungspartnerschaften sind gerade auch für die Schulen interessant, die in das Netzwerk Bildung für nachhaltige Entwicklung Rheinland-Pfalz aufgenommen werden wollen. Seit 10 Jahren besteht die Bildungspartnerschaft von Eduard-Spranger-Gymnasium und Zooschule. Seit 2022 ist die Gäuschule in Böbingen offiziell die BNE-Partnerschule der Zooschule.

„BNE für alle Schulen und Kindertagesstätten!“

Um Kindergartengruppen und Schulklassen einen kostenfreien Zugang zum BNE- Zooschulunterricht zu ermöglichen, ist die Zooschule Bildungspartnerschaften mit dem Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau und dem Eigenbetrieb Wertstoff Wirtschaft Südliche Weinstraße eingegangen. Schulen und Kindergärten können über diese Einrichtungen Gutscheine für kostenfreien Zooschulunterricht zu abfallbezogenen Unterrichtsthemen beziehen und diese dann in der Zooschule einlösen. Dieses Bildungsangebot wird breit beworben.

13. Qualitätssicherung

Um die pädagogische Arbeit der Zooschule Landau auf einem hohen Niveau zu halten bzw. kontinuierlich zu verbessern, evaluieren wir unsere Angebote regelmäßig, zum einen durch das externe Feedback der Teilnehmenden sowie zum anderen durch unsere intensiven Vorund Nachbesprechungen im Zooschulteam. Darüber hinaus befragen wir nach den Bildungsveranstaltungen schriftlich alle Lehrkräfte sowie die Erzieher und Erzieherinnen, die mit ihren Gruppen und Schulklassen die Zooschule besuchen. Zu diesem Zweck haben wir Fragebögen für die Veranstaltungsformate „Zooschulunterricht“, „Sprachförderveranstaltungen“, für die „Zoojugendspiele“ sowie die „Zoo-Natur-Erlebnistage“ entwickelt. Alle zehn Jahre führen wir eine größere schriftliche Befragung zu unserem Bildungsprogramm durch und beziehen dabei alle Schulen in der Region ein.

14. Öffentlichkeitsarbeit

BNE in die Breite tragen

Um BNE in die Breite zu tragen, um das Bildungsprogramm sichtbar zu machen und neue Teilnehmende für die Veranstaltungen zu gewinnen, ist eine vielseitige Öffentlichkeitsarbeit notwendig.

Auf unserer aktuellen Webseite www.zooschule-landau.de präsentieren wir unsere Bildungsangebote im Überblick und werben auch für aktuell anstehende Veranstaltungen. Am Anfang eines jeden Jahres stellen wir unser Jahresprogramm der Presse und den Medien im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung vor. Das Jahresprogramm liegt als ein Faltblatt in öffentlichen Einrichtungen und auch im Zoo und in der Zooschule Landau aus. Alle Veranstaltungen im Jahresprogramm werden im Rahmen einer Pressemitteilung und in sozialen Netzwerken Facebook und Instagram beworben. Unsere ständigen Bildungsangebote wie Zooschulunterricht, Ferienprogramme und Erlebnisführungen präsentieren wir auf einem Faltblatt, das wir an Schulen, Kindergärten und andere Bildungseinrichtungen versenden und in unserer Einrichtung auslegen.

BNE-Aktionstage: Wir beteiligen uns jährlich an dem Projekt „Umwelt braucht Bildung – BNE-Aktionstage in Rheinland-Pfalz“, das von der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Rheinland-Pfalz e.V. (ANU RLP) im Auftrag der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz (LZU) organisiert wird, in dem wir mehrere BNE- Veranstaltungen für Kinder durchführen. Diese Veranstaltungen werden – auch in einem veranstaltungsspezifischen Flyer – breit und überregional beworben.

Tag zur Nachhaltigkeit in Landau: Seit 2010 nimmt die Zooschule regelmäßig am Tag zur Nachhaltigkeit in Landau teil und präsentiert auf dem Marktplatz einen Stand mit einer Ausstellung zu Themen wie „Komm mach mit, wir schützen unsere Ozeane und Meere!“ oder „Mach mit beim Schutz der tropischen Regenwälder!“. Die Ausstellung nutzen wir, um auf unser ständiges BNE-Programm sowie auf das Jahresprogramm aufmerksam zu machen.

Literatur

Agenda 2030: https://www.bmz.de/de/themen/2030_agenda/index.html (letzter Zugriff: 23. 01. 21)

Andresen, S. u.s.: Kinder in Deutschland 2018. 4. World Vision Kinderstudie. Weinheim und Basel 2018.

Bertelmann Stiftung: Jugend und die Zukunft der Welt. Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage in Deutschland und Österreich „Jugend und Nachhaltigkeit“. 2009.

BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) (Hrsg.): Umweltpolitik. Agenda 21. Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro. Dokumente. Bonn 1997.

de Haan, G.: Gestaltungskompetenz als Kompetenzkonzept für Bildung für nachhaltige Entwicklung. In: Bornmann, I., de Haan, G. (Hrsg.): Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Wiesbaden 2008, S. 23-44.

ELAN e.V. (Hrsg.): Kompass Globales Lernen Rheinland-Pfalz. Bildungsangebote Globales Lernen für alle. 1. Auflage, 2019.

Engagement Global (Hrsg.): Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung. 2.., aktualisierte und erweiterte Auflage, 2016.

Gebhard, U.: Kind und Natur. Die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2005.

Grunenberg, H.; Küster, K.; Rode, H.: Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer – Was bewegt die Jugend? Berlin 2012.

Hiller, S.; Niederberger M.: Zukunft gestalten – Nachhaltiges Denken und Handeln in der Kita. Kindergarten heute, 6-7/2015, S.8-13.

Hollstein, G.: „Ich sehe was, was du nicht siehst“, Beobachtungsaktivitäten im außerschu-lischen Lernort Zoo. In: Pädagogische Welt, 9/1996, S.394-398.

Hollstein. G.: „Nicht immer eine Führung!“ Selbstständiges Lernen an Stationen im Zoo. In. I. Hegele (Hrsg.): Lernziel: Stationenarbeit. Eine neue Form des offenen Unterrichts, 2., aktuali-sierte Auflage, Weinheim und Basel 1997, S.115-136.

Stoltenberg, U.: Nachhaltigkeit lernen mit Kindern. Wahrnehmung, Wissen und Erfahrungen von Grundschulkindern unter der Perspektive einer nachhaltigen Entwicklung. Bad Heilbrunn 2002.